Es könnte so einfach sein...
Ich hatte vor kurzem eine ungewöhnliche Begegnung, nein kein Alien, sondern eine ganz menschliche Begegnung, die mich zum Nachdenken gebracht hat.
Mein Handy wollte nicht mehr das tun, was ich wollte. Es funktionierte einfach alles nicht mehr, jedenfalls nicht so, wie ich es gewohnt war. Dazu kam dann noch, dass meine Telefongesellschaft meinen Beitrag nach oben gesetzt hatte – aus welchen Gründen auch immer.
Ich ging also, nach Jahren, mit einer unzufriedenen und frustrierten Stimmung zu dem Telefonladen meines Vertrauens, bereit mich mit der Frau und dem Mann hinter dem Tresen anzulegen.
Er gab mir das Gefühl, der Wichtigste zu sein.
Als ich den Telefonladen betrat, stand ein Junger Man am Tresen und sah mich freundlich an. Ich hatte das Gefühl, er wartete regelrecht nur auf mich.
Meine erste Mauer stürzte schon ein…
Er begrüßte mich freundlich und gab mir das Gefühl, voll auf meiner Seite zu sein. Worte wie: „Das kann ich gut verstehen“ ließen meinen Groll schwinden.
Und die zweite und letzte Mauer stürzte ein…
Er bewirkte, dass er sich freute, mir helfen zu können.
Er schlug sich auf meine Seite. Mit dem Satz, wir beiden schaffen das schon, hatte er mich. Ich fühlte mich sicher bei ihm. Er war weiterhin freundlich und überaus verständnisvoll und hielt, bei wichtigen Aktionen, mit mir Augenkontakt.
Er redete mit mir, nicht wie mit einem Kunden, sondern, wie mit einem Freund. Immer wieder rutschte er ins Du bei der Unterhaltung. Während wir dann doch mal über Privates redeten, löste er mein Problem mit dem Handy und stufte meinen Beitrag bei der Telefongesellschaft sogar herunter.
Und warum erzähle ich Euch das?
Ich habe mal einen Satz gelesen, der mir im Gedächtnis geblieben ist. Von dem ich aber leider nicht mehr weiß, von wem er ist:
»Welche Gefühle wir den Menschen um uns herum vermitteln, ist vielleicht der größte Einfluss auf die Welt, den wir nehmen können.«
Auch die folgenden Beispiele, die ich gelesen habe, werden vermutlich nicht von heute auf morgen den Weltfrieden herbeiführen. Doch sie können immerhin bewirken, dass es durch uns dem einen oder anderen Menschen in unserem Umfeld hin und wieder etwas besser geht – und uns damit gleich mit.
- Um einen Gefallen bitten.
Niemandem zur Last fallen, immer schön unabhängig bleiben, ja keine Schwäche zeigen – viele Menschen folgen genau solchen Regeln in ihrem Alltag, wenn du dich darum bemühst, alles, was irgendwie geht, allein zu machen und deine Mitmenschen möglichst wenig in deine Angelegenheiten mit einzubeziehen. Dabei hätte die Alternative, andere um Hilfe oder Gefallen zu bitten, nicht nur den Vorteil, dass dadurch das eine oder andere leichter zu bewältigen wäre: Die meisten Menschen fühlen sich gut, wenn sie anderen Leuten helfen können. Es kann ihr Selbstbewusstsein stärken und ein Glücksgefühl auslösen. Darüber hinaus spüren sie, dass sie jemand ernst nimmt und ihnen vertraut. Und wer keinen Gefallen und keine Hilfe braucht oder möchte, kann übrigens ebenso gut nach einer Einschätzung, Meinung oder einem Ratschlag fragen – sofern daran ehrliches Interesse besteht.
- Nach etwas erkundigen, was die Person gerne macht.
Ein sehr zuverlässiger Weg, zu erreichen, dass sich andere Menschen in einem Gespräch wohlfühlen, sich gerne daran beteiligen und es als angenehm und aufbauend erleben, ist, sie von etwas erzählen zu lassen, das sie begeistert. Ob es das Buch ist, das sie gerade lesen, der Urlaub, der in Kürze ansteht, die Vögel auf ihrer Terrasse, für die sie eine Futtersäule aufgehängt haben, oder gute Restaurants, die sie in letzter Zeit besucht haben, die meisten Menschen sind sehr dankbar und freuen sich darüber, wenn sich andere für ihre Leidenschaften interessieren – und manchmal können Euphorie und Freude bekanntlich sogar abfärben.
- Etwas teilen, das dich beschäftigt.
Sehr viele Menschen haben sehr viele Gedanken und Gefühle, von denen sie denken, sie wären damit allein – und beziehungsweise oder sie wären banal. Schwierigkeiten, gewisse Entscheidungen zu treffen. Überforderung im Sozialleben und Alltag. Sie verurteilen sich im Stillen, schämen sich für das, was in ihnen vorgeht, und behalten es für sich. Was dadurch vielen Menschen entgeht: Dass das, was sie beschäftigt, andere genauso beschäftigt. Dass wir uns alle weitaus ähnlicher sind, als wir manchmal vermuten, und dass wir ähnliche Sorgen, Nöte, Unsicherheiten haben. Das wiederum zu erleben, dass wir mit dem, was wir durchmachen, nicht allein sind, tut fast allen Menschen gut. Es entschärft die Selbstverurteilung, mindert die Scham, schenkt ein Gefühl von Verbundenheit und Erleichterung. Wer es also schafft, sich zu überwinden und einer anderen Person etwas anzuvertrauen, was eher schambehaftet ist, tut damit in der Regel sich selbst einen großen Gefallen und dieser anderen Person, die sich wahrscheinlich darin wieder erkennt.
Schon damals stellte ich mir einige Fragen, die ich Euch jetzt auch stellen möchte:
Gebe ich Menschen in meiner Umgebung das Gefühl, das Sie wichtig sind?
Gebe ich diesen Menschen das Gefühl, von mir verstanden zu werden?
Zeige ich Interesse, ohne bewertend zu sein?
Ich bin der Spiegel.
Versuche mal in dich hinein zu hören, beobachte dich bei Kundengesprächen.
Ich habe es getan und musste feststellen, dass ich zwar freundlich und zugehört habe, doch trotzdem schon eine vorgefertigte Meinung über den Menschen erstellt hatte.
Ich habe dann an meiner Einstellung gearbeitet und stellte ab da immer wieder fest, wie offen ein Gespräch abläuft. Ich erfahre viel mehr (was für die Anamnese auch sehr wichtig ist) als wenn ich mir ein frühzeitiges und meist falsches Bild mache.
Immer wenn ich mit Menschen kommuniziere, habe ich die Chance, ihnen eine Wertschätzung entgegenzubringen, die ihnen und mir ein gutes Gefühl gibt.
Ich wünsche Euch eine schöne Woche.
Euer Lars Koch
Mit freundlicher Unterstützung von hackspirit.com, psychologytoday.com, brigitte.de